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Katechismus in Fragen und Antworten

05. Gottes Gebote

Gott hat den Menschen Gebote gegeben. In ihnen verkündet er seinen Willen zum Wohl der Menschen. In den Geboten kommt zum Ausdruck, wie der Mensch seine Beziehung zu Gott gestalten soll. Zudem sind die Gebote Grundlage für ein gutes Miteinander der Menschen.

Wer im Glauben Gott als den Allmächtigen, Allwissenden und Liebenden erkennt, fragt nach seinem Willen und bemüht sich, sein Denken und Handeln nach Gottes Willen, also auch nach seinen Geboten, auszurichten. In der Erkenntnis, dass Gott die Gebote aus Liebe zum Menschen gegeben hat, werden die Gebote nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zu Gott erfüllt.

Auf die Frage nach dem „höchsten Gebot im Gesetz“ antwortete Jesus mit zwei Zitaten aus dem mosaischen Gesetz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 22,36-40). Das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben, wird auch „Doppelgebot der Liebe“ genannt.

Nächstenliebe: siehe auch Frage 155.

Die Liebe des Menschen zu Gott gründet in der Liebe Gottes zum Menschen. Der Mensch will diese Liebe erwidern: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).

Die Liebe zu Gott soll das Wesen des Menschen prägen und sein Verhalten bestimmen. Gott zu lieben ist ein Gebot, das den ganzen Menschen betrifft und vollen Einsatz erfordert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (Markus 12,30). Das bedeutet die ungeteilte Hinwendung zu Gott.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus 12,31; vgl. 3. Mose 19,18).

Das Gebot fordert dazu auf, allen Mitmenschen liebevoll zu begegnen. Es setzt dem Egoismus klare Grenzen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lukas 10,25-37) veranschaulichte Jesus, dass Nächstenliebe bedeutet, barmherzig zu sein und entsprechend zu handeln. Wie konsequent Jesus das meinte, geht aus seiner Forderung hervor, selbst den Feind zu lieben.

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ,Du sollst deinen Nächsten lieben‘ (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ (Matthäus 5,43-45)

Am Beispiel vom barmherzigen Samariter zeigt sich: Der Nächste ist zum einen derjenige, der hilfsbedürftig ist. Der Nächste ist zum anderen derjenige, der hilft. Der Nächste kann also jeder Mensch sein, mit dem wir in Beziehung kommen.

Jesus hat über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hinaus Grundlegendes zur Nächstenliebe in der sogenannten „Goldenen Regel“ zusammengefasst.

Der Begriff „Goldene Regel“ wurde im 17. Jahrhundert in Europa für die Aussage in Matthäus 7,12 geprägt. Die „Goldene Regel“ ist heute auch außerhalb des Christentums ein weit verbreiteter Grundsatz im Zusammenleben von Menschen.

Unter der „Goldenen Regel“ versteht man das Wort des Herrn in der Bergpredigt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 7,12).

Was Jesus seine Apostel lehrte, gilt ebenso der Gemeinde: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe ... Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,34.35). Diese Anforderung an seine Jünger geht also über die „Goldene Regel“ hinaus. Das Gebot der Nächstenliebe, dem Mitmenschen beizustehen und in Notsituationen zu helfen, soll sich insbesondere in der Gemeinde beweisen: „Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Galater 6,10). Alle, die zur Gemeinde gehören, haben die Aufgabe, einander mit herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld zu begegnen.

Die „Liebe untereinander“ befähigt dazu, Bruder und Schwester so anzunehmen, wie sie sind (vgl. Römer 15,7), und bewahrt vor Unversöhnlichkeit, Vorurteilen und abschätziger Betrachtung. Sie ist eine Kraft, die den Zusammenhalt in der Gemeinde stärkt, Mitempfinden und Verständnis füreinander weckt und Hilfsbereitschaft fördert.

Aus dem „Hohelied der Liebe“: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles." (1. Korinther 13,4-7)

Das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Das zweite Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“
Das dritte Gebot: „Du sollst den Feiertag heiligen.“
Das vierte Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden.“
Das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten.“
Das sechste Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen.“
Das siebte Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“
Das achte Gebot: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
Das neunte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“
Das zehnte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.“

Die Bezeichnung ,,Zehn Gebote“ bzw. „Dekalog“ ist abgeleitet von der biblischen Formulierung ,,Zehn Worte“ („deka logoi“) in 2. Mose 34,28 und 5. Mose 10,4. Die Bibel legt die Zahl der Gebote auf 10 fest, nummeriert sie jedoch nicht. Die in der Neuapostolischen Kirche gebräuchliche Zählweise geht auf eine Tradition aus dem vierten Jahrhundert nach Christus zurück.

Gott hat die Zehn Gebote durch Mose dem Volk Israel am Berg Sinai gegeben (vgl. 2. Mose 19 und 20). Sie wurden auf steinerne Tafeln geschrieben.

Die Zehn Gebote regelten das Verhalten der Israeliten sowohl gegenüber Gott als auch untereinander. Die Verkündigung der Zehn Gebote gehört zu dem Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Das Halten der Gebote war Pflicht und wurde von Gott gesegnet. Bereits die Kinder im Volk Israel lernten die Gebote auswendig. Bis heute haben die Zehn Gebote ihre hohe Bedeutung im Judentum behalten.

„Er verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln." (5. Mose 4,13)

Ja, Jesus bekräftigte die Zehn Gebote. Einzelne verschärfte er sogar, indem er den Geboten einen neuen, tieferen Sinn gab und ihren ursprünglichen Geltungsbereich ausweitete. Seine Apostel machten schließlich deutlich, dass bereits die Übertretung eines einzigen der Gebote die Übertretung des gesamten Gesetzes bedeutet. „Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig“ (Jakobus 2,10).

„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): ,Du sollst nicht töten‘; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig …“
Matthäus 5,21.22

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ,Du sollst nicht ehebrechen.‘ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ (Matthäus 5,27.28)

In den Zehn Geboten wendet sich Gott an alle Menschen. Der Einzelne trägt Gott gegenüber die Verantwortung dafür, wie er sich verhält und wie er sein Leben führt.

Gottes Gebote stehen über staatlichen Gesetzen. Entscheidend dafür, ob gegen Gottes Gebote verstoßen wird, ist allein der Wille Gottes und nicht der des Gesetzgebers.

Jeder Verstoß gegen Gottes Gebote ist Sünde. Sünde macht den Menschen vor Gott schuldig. Das Ausmaß der aus der Sünde erwachsenen Schuld kann unterschiedlich sein. Gott allein legt fest, wie groß die Schuld ist. Im Einzelfall kann es sein, dass aus der Sünde kaum eine Schuld gegenüber Gott entsteht.

Verhältnis von Sünde und Schuld: siehe Frage 230. und Erläuterung zu Frage 230.

Gott und den Nächsten in vollkommener Weise zu lieben, würde das Halten des ganzen Gesetzes bedeuten (vgl. Römer 13,8.10). Dies war einzig Jesus Christus möglich.

Gesetz: siehe Fragen 138., 271. ff.

„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Das erste Gebot bedeutet, dass Gott Herr über alles ist. Einzig ihm, dem Schöpfer aller Dinge, kommen Anbetung und Verehrung zu. Seinem Willen ist Gehorsam zu leisten.

In den Ländern um Israel herrschte Vielgötterei. Mit dem ersten Gebot machte Gott deutlich, dass er der einzige Gott ist. Demzufolge gebührt allein ihm Anbetung; nur ihm ist zu dienen. „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4.5).

Monotheismus: siehe Erläuterung zu Frage 53.

Der Begriff „Polytheismus“ ist von den griechischen Wörtern „poly“ und „theos“ abgeleitet, die „viel“ und „Gott“ bedeuten, und steht für Vielgötterei, also die Verehrung mehrerer Gottheiten. – Selbst König Salomo wandte sich, als er alt war, vom lebendigen Gott ab und opferte den Götzen der Moabiter und der Ammoniter (vgl. 1. Könige 11,7.8).

Jegliche Verehrung oder Anbetung von all dem, was Menschen außer Gott, dem Schöpfer, als Gottheit ansehen können, ist Sünde. Hierzu zählt die Verehrung von Lebewesen, Naturerscheinungen, Gegenständen, wirklichen oder erdachten geistigen Wesen. Demnach verstößt es gegen das erste Gebot, zum Beispiel Statuen, Tierfiguren, Steine, Amulette sowie Gestirne, Berge, Bäume und Feuer, Sturm usw. als Gott anzusehen. Auch die Anfertigung und Anbetung des goldenen Kalbs zur Zeit des Alten Testaments stellten einen Verstoß gegen dieses Gebot Gottes dar: „Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“ (vgl. 2. Mose 32,3.4).

In 2. Mose 20,4.5 wird untersagt, Bilder von dem herzustellen, was Gott geschaffen hat: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ Das Verbot, Bilder herzustellen und zu verehren, muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es Bilder und Statuen gab, die als Gottheit verehrt und angebetet wurden.

Nein, es ist nicht verboten, Bilder, Skulpturen, Fotografien oder filmische Darstellungen anzufertigen. Solche Darstellungen sollen aber nicht verehrt und angebetet werden.

Das erste Gebot besagt, dass es nur einen Gott gibt. Dieser ist der dreieinige Gott: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Im Neuen Testament wird das erste Gebot nicht nur auf Gott, den Vater, sondern auch auf Jesus Christus und den Heiligen Geist bezogen.

Trinität: siehe Fragen 61. ff.

Das erste Gebot fordert uns auf, aus Liebe Gott zu ehren. Gottesverehrung vollzieht sich in Anbetung, Gehorsam und Gottesfurcht. Gottesfurcht erwächst aus der Liebe zu Gott. Sie ist nicht Ausdruck von Angst, sondern von Demut, Liebe und Vertrauen zu Gott. Es gilt, Gott so annehmen, wie er in der Welt in Erscheinung getreten ist: in Jesus Christus (vgl. Johannes 14,9). Es ist ein Verstoß gegen das Gebot, sich in Macht, Ehre, Geld, Idolen oder auch in der eigenen Person gleichsam einen Gott zu machen, dem sich alles andere unterordnen muss. Ebenso verstößt es gegen das erste Gebot, sich von den eigenen Wünschen oder Ansichten geprägte Gottesvorstellungen zu machen. Gleichermaßen verstößt es gegen das Gebot, wenn man in Statuen, Bäumen, Naturerscheinungen usw. Götter sieht. Handlungen gegen das erste Gebot sind darüber hinaus Satanismus, Wahrsagerei, Magie, Hexerei, Geisterbefragung oder Totenbeschwörung.

Der Begriff „Magie“ ist aus dem Griechischen und heißt übersetzt: „Zauberei“, „Blendwerk“. Zur Magie gehört die Vorstellung, durch bestimmte Handlungen (Rituale) und / oder Worte (Zauberformeln) Menschen, Tiere, auch Ereignisse und Gegenstände beeinflussen oder beherrschen zu können. Oft wird Magie mit dem Bösen in Zusammenhang gebracht. Wahrsager sind Menschen, die davon überzeugt sind, dass sie in die Zukunft sehen bzw. Zukünftiges vorhersagen können. Ihre Vorhersagen treffen sie aufgrund von geheimnisvollen Zeichen, die sie entsprechend deuten. Zur Zeit des Alten Bundes war Wahrsagerei an königlichen Höfen gängige Praxis, im Volk Israel war sie jedoch streng verboten. Totenbeschwörung ist eine besondere Form von Wahrsagerei: Man versucht, Kontakt zu Toten aufzunehmen, um sie nach zukünftigen Dingen zu befragen; vgl. 1. Samuel 28,3 ff.

„Gebt unserm Gott allein die Ehre!“ (5. Mose 32,3)

„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“

Das zweite Gebot mahnt, alles heilig zu halten, was mit Gott und seinem Namen zu tun hat.

Als Gott sich Mose im feurigen Dornbusch zu erkennen gab, nannte er seinen Namen: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Hier ist der Name nicht nur ein Unterscheidungsmerkmal, sondern der Name beschreibt auch das Wesen seines Trägers. Damit macht Gott kund, dass er in seinem Wesen unveränderlich und ewig ist. Der einzelne Mensch erlebt Gott unterschiedlich, dennoch bleibt Gott unwandelbar. Das Wesen und die Majestät Gottes dürfen in keiner Weise angetastet werden. Aus Ehrfurcht sprechen die Juden den Namen „Ich werde sein, der ich sein werde“ (hebräisch: „Jahwe“) überhaupt nicht aus. Sie wollen so jede – auch unbeabsichtigte – missbräuchliche Verwendung des Namens Gottes vermeiden.

„Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.“ (2. Mose 3,14)

Die Menschen sollen von Gott in Liebe, Ehrfurcht und voller Verantwortungsbewusstsein reden. Als Jesus beten lehrte, forderte er auf, Gott als den „Vater im Himmel“ anzusprechen (vgl. Matthäus 6,9). Wenn Jesus Christus im Gebet zum Ausdruck brachte: „Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan“ (Johannes 17,26), verdeutlichte er damit das Wesen Gottes, nämlich Liebe (vgl. 1. Johannes 4,16).

Wir sollen alles, was mit Gott und seinem Namen zu tun hat, heilig halten. Das gilt für unser Denken, Reden und den Lebenswandel. Als Christen sind wir dem Namen des Herrn Jesus Christus gegenüber besonders verpflichtet. Als Gottes Kinder, die den Namen des Vaters und des Sohnes tragen, stehen wir in hoher Verantwortung, Gottes Namen heilig zu halten.

Ein krasser Missbrauch des Namens Gottes ist die Gotteslästerung, bei der Gott bewusst verhöhnt oder beschimpft wird. Auch wer beim Namen Gottes flucht oder sich auf Gott beruft und dabei lügt, missbraucht den Namen Gottes. Schon die leichtfertige Verwendung der Bezeichnungen „Gott“, „Jesus Christus“ oder „Heiliger Geist“ für lockere Redensarten oder in Witzen ist ein Verstoß gegen das zweite Gebot.

Im Verlauf der Geschichte haben Menschen vielfach den Namen Gottes missbraucht: um sich zu bereichern, um Kriege zu führen (z.B. die Kreuzzüge), um andere Menschen zu diskriminieren, zu quälen und zu töten – alles im Namen Gottes.

Als einziges Gebot enthält das zweite eine Strafandrohung im Falle der Übertretung. Worin die Strafe besteht, sagt die Bibel nicht. Für uns sollte Beweggrund, dieses Gebot zu befolgen, vor allem Liebe zu Gott und Ehrfurcht sein, nicht eine zu befürchtende Strafe.

Jesus hat in der Bergpredigt das Schwören untersagt. Dies ist so zu verstehen, dass es für das leichtfertige Schwören im alltäglichen Leben gilt, nicht aber zum Beispiel für das Schwören vor Gericht. Wer bei einer vorgeschriebenen Eidesformel Gott zum Zeugen anruft („So wahr mir Gott helfe!“), um seine Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit Gott gegenüber zu bekunden, legt damit ein öffentliches Bekenntnis seines Glaubens an den allmächtigen, allwissenden Gott ab.

„Du sollst den Feiertag heiligen.“

Mit dem dritten Gebot wird dazu aufgefordert, einen Tag der Woche von den anderen abzusondern, um Gott anzubeten und sich mit seinem Wort zu beschäftigen. Für Christen ist dies der Sonntag – der Tag, an dem Jesus Christus auferstanden ist.

Gott ruhte am siebten Schöpfungstag und heiligte ihn. Der Ruhetag ist als Feiertag gegeben, um Gott für sein schöpferisches Handeln zu danken und ihn zu ehren. Gott benannte bereits vor der Gesetzgebung am Sinai den Sabbat als den Tag, der heilig gehalten werden sollte. Während der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste verkündete Mose: „Das ist’s, was der Herr gesagt hat: Morgen ist Ruhetag, heiliger Sabbat für den Herrn“ (2. Mose 16,23). Am Sabbat sollte sich das Volk Israel von der Arbeit ausruhen und sich ungestört Gott zuwenden. Der Sabbat diente dem Lob des Schöpfers und der Erinnerung an die Befreiung Israels aus der Gefangenschaft in Ägypten. Demjenigen war Segen zugesagt, der den Sabbat in Ehren hielt und persönliche Geschäfte und „leeres Geschwätz“ mied (vgl. Jesaja 58,13.14).

Den Sabbat – den siebten Tag des jüdischen Kalenders – zu heiligen, gehörte für die Israeliten zum Gesetz. Jesus ging am Sabbat in die Synagoge und heilte Kranke, was nach dem Verständnis der Israeliten Arbeit und somit ein Verstoß gegen das Gebot war. Damit machte Jesus, der Herr über den Sabbat, deutlich, dass Wohltun an den Menschen höher zu werten ist als eine rein formale Erfüllung des dritten Gebotes.

„Synagogen“ sind die Gebäude, in denen sich die jüdischen Gemeinden seit der Zeit der babylonischen Gefangenschaft zum Gottesdienst versammeln. Dies waren Wortgottesdienste, die aus Gebet, dem Vorlesen aus heiligen Schriften und deren Auslegung bestanden.

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Markus 2,27)

Christen heiligen den Sonntag als „Feiertag“, weil Jesus Christus an einem Sonntag von den Toten auferstanden ist. Daher ist für Christen das Heiligen des Sonntags auch ein Bekenntnis zur Auferstehung Jesu Christi. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Sonntags als Feiertag der Christen findet sich in Apostelgeschichte 20,7: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus ...“ Hier wird ebenso wie in 1. Korinther 16,2 der erste Tag der Woche herausgehoben, der Sonntag.

Der Sonntag soll ein Tag der Ruhe und ein Festtag der Seele sein. Wir halten den Sonntag vor allem dadurch heilig, dass wir Gott im Gottesdienst Anbetung darbringen, sein Wort gläubig aufnehmen, bußfertig die Sündenvergebung annehmen und Christi Leib und Blut im Sakrament des Heiligen Abendmahls würdig genießen. Heiligung des Sonntags bedeutet auch, dass die Wirkung des Gottesdienstes vertieft wird und bewahrt bleibt. Wer nicht zum Gottesdienst kommen kann, heiligt den Sonntag, indem er im Gebet Verbindung mit Gott und der Gemeinde sucht. Dies gilt beispielsweise für Berufstätige sowie kranke, behinderte und alte Menschen. Das Gebot, den Feiertag zu heiligen, fordert den Gläubigen auf zu prüfen, inwieweit sich seine Aktivitäten mit dem Sinn des dem Herrn geweihten Tags vereinbaren lassen.

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.“

Das vierte Gebot richtet sich an Menschen jeglichen Alters und verlangt, Vater und Mutter die gebührende Achtung und Wertschätzung zukommen zu lassen. Es ist das einzige Gebot, das eine Belohnung verheißt.

Das vierte Gebot steht, wie das mosaische Gesetz überhaupt, im Zusammenhang mit der Wüstenwanderung der Israeliten. Älteren Angehörigen der Sippe sollte man auf der beschwerlichen Wanderung beistehen und somit Ehre erweisen. Die Verheißung des „Wohlergehens“ fasste man als ein Wohlergehen im irdischen Leben auf. Das Gebot verstand man in Israel auch als eine Anweisung an Erwachsene, für die alt gewordenen Eltern zu sorgen und sie im Krankheitsfall zu pflegen.

mosaisches Gesetz: siehe Fragen 272. ff.

Vom zwölfjährigen Jesus ist berichtet, dass er sich seiner Mutter Maria und deren Mann Josef gehorsam unterordnete: „Er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan“ (Lukas 2,51). Die Zuwendung Jesu zu seiner Mutter wird deutlich, als er sie noch in seiner Todesstunde der Fürsorge des Apostels Johannes anbefahl (vgl. Johannes 19,27). In den Briefen des Apostels Paulus werden die Kinder ausdrücklich zum Gehorsam gegenüber ihren Eltern ermahnt.

Kindern stellt sich, unabhängig von ihrem Alter, die Aufgabe, die Eltern zu ehren. Die konkrete Umsetzung des Gebotes kann sich, je nach Alter, sozialem Umfeld und gesellschaftlichen Umgangsformen, unterschiedlich gestalten. Alle Gehorsamspflicht des Kindes ist eingeschränkt durch den Hinweis des Apostels Petrus: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29).

Mit dem Begriff „soziales Umfeld“ eines Menschen meint man seine Lebensbedingungen, zu denen Abstammung, Familie und Verwandtschaft, das Einkommen und Vermögen, die Bildung, der Beruf, die religiöse Zugehörigkeit und weitere Umstände seines Lebens gehören.

Wenn Kinder ihre Eltern aus Liebe und Dankbarkeit ehren, sie also wertschätzen, ihnen gehorsam sind und für sie sorgen, wird darauf der Segen Gottes ruhen. In der Vorstellung der Menschen zur Zeit des Alten Testaments war „langes Leben“ Ausdruck für Segen Gottes. Im Neuen Bund zeigt sich der Segen Gottes hauptsächlich in geistlichen Gütern.

geistlicher Segen: siehe Frage 268.

Geistliche Güter kommen von Gott und machen den Glaubenden „reich“. Zu den geistlichen Gütern gehören u.a. die Liebe, die Geduld, Freude aus dem Heiligen Geist, Erkenntnis der Wahrheit des Evangeliums, die Gotteskindschaft, die Vergebung der Sünden, die Sakramente, die Hoffnung auf die Erfüllung und die Teilhabe an den Verheißungen des Herrn.

Ja, die Eltern tragen in ihrer Lebensführung und in ihrem Erziehungsauftrag eine hohe Verantwortung und sollen durch ein Gott wohlgefälliges Verhalten dafür sorgen, dass den Kindern die Wertschätzung ihrer Eltern nicht erschwert wird. Erfüllen die Eltern diese Pflichten nicht, können sie auch keinen Gehorsam ihrer Kinder erwarten. Keinesfalls kann eine Gehorsamspflicht der Kinder den Eltern gegenüber aus dem vierten Gebot begründet werden, wenn die Eltern oder die Kinder in diesem Zusammenhang gegen göttliche Gebote verstoßen würden.

„Du sollst nicht töten.“

Das Leben ist von Gott gegeben. Er allein ist Herr über Leben und Tod. Es steht niemandem zu, Menschenleben zu beenden.

Die wörtliche Übersetzung des Gebots aus dem hebräischen Text heißt: „Du sollst nicht morden.“ Demnach untersagte das fünfte Gebot das eigenmächtige Töten von Menschen. Es bezog sich ausdrücklich nicht auf Kriegsdienst und Todesstrafe.

Jesus beschränkte die Beachtung dieses Gebotes nicht auf die buchstabengemäße Erfüllung. Schwerpunkt für ihn war die innere Haltung, die Gesinnung des Menschen. Deshalb sagte er: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ,Du sollst nicht töten‘; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig“ (Matthäus 5,21.22). In 1. Johannes 3,15 heißt es ergänzend: „Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger“.

Anfang und Ende des menschlichen Lebens liegen allein in Gottes Hand. Nur er ist Herr über Leben und Tod. Auch wenn heute auf Erden vielfach Gewalt herrscht und viele Menschen das Leben anderer nur noch gering achten, gilt das Gebot unverändert. Es umfasst – neben dem Verbot, menschliches Leben zu beenden – zugleich den Auftrag, menschliches Leben zu achten, zu schützen und zu bewahren. Jeder Verstoß gegen das fünfte Gebot ist Sünde. Die sich daraus ergebende Schuld Gott gegenüber kann unterschiedlich sein.

Ja. Ungeborenes Leben ist zu achten und zu schützen, denn es ist davon auszugehen, dass vom Augenblick der Zeugung an von Gott gegebenes menschliches Leben vorliegt.

Ja, denn es wird von Gott gegebenes Leben beendet.

Ja, auch das Töten in Notwehr verstößt gegen das fünfte Gebot.

Töten im Krieg ist ein Verstoß gegen das fünfte Gebot. Aus dem Gebot folgt für den Einzelnen die Verantwortung, das Töten möglichst zu vermeiden. Im Einzelfall kann es sein, dass aus der Handlungsweise kaum Schuld Gott gegenüber entsteht.

Schuld gegenüber Gott: siehe Frage 230.

Wer aktive Sterbehilfe leistet – das heißt, wer Handlungen vornimmt, die zum Tod eines Sterbenden führen –, übertritt das fünfte Gebot. Passive Sterbehilfe – also die Unterlassung von Maßnahmen, die das Leben verlängern – wird unter strengen Voraussetzungen nicht als Übertretung des fünften Gebots gesehen. Die Entscheidung über den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen obliegt zunächst dem Patienten selbst. Bei fehlender Willensbekundung soll diese Entscheidung in Absprache zwischen den Ärzten und den Angehörigen einzig unter verantwortungsbewusster Würdigung der Interessen des Sterbenden getroffen werden.

Es steht keinem Menschen zu, Menschenleben zu beenden. Insofern verletzt der Vollzug der Todesstrafe die göttliche Ordnung. In der Todesstrafe erkennt die Neuapostolische Kirche zudem kein geeignetes Mittel zur Abschreckung und zum Schutz der Gesellschaft.

Nein, das Töten von Tieren fällt nicht unter das fünfte Gebot. Gott lässt ausdrücklich zu, dass Tiere der Ernährung des Menschen dienen (vgl. 1. Mose 9,3). Doch auch das Leben der Tiere ist zu respektieren; dies ergibt sich aus der Mitverantwortung des Menschen zur Bewahrung der Schöpfung.

„Du sollst nicht ehebrechen.“

Die Ehe ist die von Gott gewollte, auf Lebenszeit angelegte Gemeinschaft von Mann und Frau. Zugrunde liegt ihr eine beiderseitige freie Willensentscheidung. Sie wird durch ein öffentliches Treueversprechen bekundet. Ehebruch begeht, wer als Verheirateter mit jemand anderem als seinem Ehepartner geschlechtlich verkehrt. Ebenso begeht Ehebruch, wer als Unverheirateter mit einem ehelich Gebundenen geschlechtlich verkehrt.

Schon zur Zeit des Alten Testaments wurde die Ehe als Bund verstanden, der unter Gottes Schutz steht und durch Gebet gesegnet wird. Ehebruch wurde damals mit dem Tode bestraft.

„Denn wir sind Kinder der Heiligen und können unsere Ehe nicht beginnen wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Und sie standen auf und beteten beide inständig, dass Gott sie behüten wolle.“ (Tobias 8,5.6)

Jesus Christus spricht sich eindeutig für die Einehe (Monogamie) aus. Sie ist die gottgewollte, dem gläubigen Christen angemessene Form ehelichen Zusammenlebens von Mann und Frau. Jesus deutete auch das sechste Gebot über den ursprünglichen Sinn hinaus: In der Bergpredigt sagte er: „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen“ (Matthäus 5,28). Das bedeutet, dass man trotz äußerlich untadeligem Lebenswandel einen „Ehebruch im Herzen“, also in Gedanken, begehen kann.

„Einehe“ oder „Monogamie“ besagt, dass ein Mann nur mit einer Frau verheiratet ist und eine Frau nur mit einem Mann. – Das Alte Testament berichtet vielfach von der „Vielehe“ („Polygamie“) in dem Sinn, dass ein Mann mit mehreren Frauen verheiratet war.

Scheidung wird im Neuen Testament als Verstoß gegen das sechste Gebot gewertet: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Markus 10,9). Einziger Ausnahmefall, für den die Scheidung zugelassen wird, ist Ehebruch des Ehepartners (vgl. Matthäus 19,9). Die neutestamentlichen Aussagen zur Scheidung dienten vor allem dazu, die Situation der Frau, die in der Antike nur sehr eingeschränkte Rechte besaß, zu verbessern. Die Frau sollte davor geschützt werden, willkürlich von ihrem Ehemann verstoßen werden zu können.

Die Ehe ist auf Unauflöslichkeit angelegt (vgl. Matthäus 19,6; Markus 10,9). Vor diesem Hintergrund ist es geboten, die Ehe zu schützen und zu fördern. Aus dem Gebot ergibt sich auch, dass die Ehepartner einander in Treue zugetan sein sollen. Zu den Verpflichtungen aus dem Gebot gehört, dass die Ehepartner sich ernsthaft bemühen, den Lebensweg in Gottesfurcht und Liebe miteinander zu gehen.

Geschiedene und in Scheidung Lebende haben ihren Platz in der Gemeinde und werden von ihren Seelsorgern vorbehaltlos betreut. Geschiedene und in Scheidung Lebende werden nicht vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.
Geschiedenen, die erneut eine Ehe eingehen wollen, wird auf Wunsch der Trausegen gespendet. Damit soll die Möglichkeit zu einem Neuanfang gegeben werden. Immer ist im Auge zu behalten, dass Jesus dem Menschen nicht mit strenger Bestrafung, sondern in Liebe und Gnade begegnet ist (vgl. Johannes 8,2-11).

„Du sollst nicht stehlen.“

Es ist verboten, sich am Hab und Gut des Nächsten zu vergreifen. Man darf sich das Eigentum des Nächsten nicht unrechtmäßig aneignen und es auch nicht schädigen.

Ursprünglich bezog sich das Gebot, nicht zu stehlen, vor allem auf den Menschenraub. Dabei ging es darum, den freien Mann davor zu schützen, geraubt, verkauft oder in Unfreiheit gehalten zu werden. Eigentumsdelikte konnte man durch materielle Entschädigung wiedergutmachen (sühnen), Menschenraub dagegen wurde in Israel mit dem Tod bestraft: „Wer einen Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft, sei es, dass man ihn bei ihm findet, der soll des Todes sterben“ (2. Mose 21,16). Auch der Diebstahl von fremdem Eigentum wurde unter Strafe gestellt; das mosaische Gesetz forderte Wiedergutmachung. „Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und schlachtet’s oder verkauft’s, so soll er fünf Rinder für ein Rind wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf“ (2. Mose 21,37).

Jesus bezeichnete Diebstahl als Sünde. Diebstahl hat seinen Ursprung in der Gesinnung des Menschen. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen“ (Matthäus 15,19.20).

Diebstahl im eigentlichen Sinn liegt vor, wenn materielles oder geistiges Eigentum anderer entwendet wird. Aber auch Betrug, Wucher, Ausnutzung einer Notlage, Veruntreuung, Unterschlagung, Steuerhinterziehung, Korruption und Verschwendung von anvertrauten Geldern müssen als Übertretung des siebten Gebots gesehen werden. Das siebte Gebot fordert zudem dazu auf, dem Nächsten seine Ehre und seinen guten Ruf nicht zu nehmen und seine Würde als Mensch nicht anzutasten.

Wucherer nutzen einen anderen aus, indem sie für eineWare oder Leistung einen überhöhten, unangemessenen Preis fordern. Veruntreuung liegt vor, wenn sich jemand am Vermögen eines anderen vergreift, das ihm anvertraut war. Der Begriff „Korruption“ meint einerseits, dass man Leistungen (vor allem Geld) einsetzt, um etwas zu erreichen, was einem nicht zusteht (Bestechung). Andererseits fällt es auch unter Korruption, wenn sich jemand bestechen lässt.

„Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

„Falsches Zeugnis“ ist eine unwahre Aussage, die einen anderen betrifft. Jedes „falsche Zeugnis“ ist Lüge. Kern des Gebots ist die Forderung, der Wahrheit gemäß zu reden und zu handeln.

Das achte Gebot betraf zunächst die Falschaussage vor Gericht. Sowohl eine falsche Anklage als auch eine unwahre Zeugenaussage konnten „falsches Zeugnis“ im Sinne des Gebotes sein. Stellte sich vor Gericht heraus, dass ein Zeuge falsch ausgesagt hatte, verhängte man über ihn die Strafe, die über den Angeklagten bei einem Schuldspruch verhängt worden wäre (vgl. 5. Mose 19,18.19).

Jesus Christus wies mehrfach auf das achte Gebot hin. Er zeigte auf, dass die Übertretung dieses Gebots Ausdruck von verkehrter Gesinnung ist und den Menschen unrein macht (vgl. z.B. Matthäus 15,18-20).

Heute bedeutet das achte Gebot, über den ursprünglichen Sinn hinausgehend, das Verbot jeglichen unwahrhaftigen Redens und Handelns. So verstoßen auch Notlügen, Halbwahrheiten, Aussagen, die den wirklichen Sachverhalt verschleiern sollen, sowie Verleumdungen gegen das achte Gebot. Auch sind Prahlerei und Übertreibung, Doppelzüngigkeit und Heuchelei, Verbreiten von Gerüchten, üble Nachrede und Schmeichelei Ausdruck von Unwahrhaftigkeit. Jeder ist verpflichtet, sich um Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit zu bemühen. Auch das Verhalten in der Gesellschaft und im Geschäftsleben soll sich am achten Gebot orientieren.

Behauptungen über einen anderen Menschen, die unwahr sind und diesem schaden, ihn in der Ehre verletzen oder beleidigen, bezeichnet man als „Verleumdung“ oder „üble Nachrede“.

Christen sind dazu aufgerufen, ein „wahrhaftiges Zeugnis“ abzulegen, indem sie das Evangelium glauben, es verkündigen und einen ihm entsprechenden Lebenswandel führen.

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.“

Die letzten zwei der Zehn Gebote sind inhaltlich eng miteinander verknüpft. Sie werden daher oft zusammen als ein Gebot gezählt. Diese beiden Gebote existieren in der Bibel in unterschiedlichen Fassungen. In 2. Mose 20,17 wird als erstes des Nächsten Haus genannt, hingegen ist in 5. Mose 5,21 zuerst die Frau erwähnt.

Kern des neunten und zehnten Gebots ist die Aussage: „Du sollst nicht begehren.“ Damit ist nicht jede Form menschlichen Verlangens untersagt, sondern die sündhafte Begierde nach dem Ehepartner des Nächsten oder nach dessen Hab und Gut. Richtet sich das Begehren auf das, was dem anderen lieb und wert ist bzw. ihm gehört, wird es zur sündhaften Begierde. Dann wirkt es zerstörerisch. Begierde kann anwachsen bis zur Habsucht und entspringt meist dem Neid.

Seit Anbeginn versucht Satan, Menschen zur Sünde zu verführen, indem er Begierde und Lust auf Verbotenes weckt. Im Alten Testament wird ein Beispiel von extremen Folgen der Begierde nach der Frau des Nächsten geschildert, als König David aus diesem Verlangen heraus Betrug, Ehebruch und Mord beging (vgl. 2. Samuel 11).

Wird sündhaftes Verlangen nicht beherrscht, folgt die Umsetzung in die Tat. Die Folgen sind in Jakobus 1,15 beschrieben: „Wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ In Galater 5,19-25 wird gezeigt, dass sündhaftes Begehren zu sündhaftem Handeln führt. Dies wird als „Werke des Fleisches“ bezeichnet. Der Begierde stellt die Bibel den Begriff „Keuschheit“ entgegen. Keuschheit zeigt sich in Selbstbeherrschung und Verzicht.

„Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies ist das Gesetz nicht. Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“ (Galater 5,19 ff.)

Das neunte und zehnte Gebot stellen dem Menschen die Aufgabe, über die Reinheit des Herzens zu wachen. Er soll die Versuchung zu sündhaftem Tun abwehren.

„Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.“ (1. Petrus 1,14.15)