Zu Beginn des Gottesdienstes vom 25. Oktober 2026 sang der Chor das Lied «Herr, mein Leben es sei dein». Nach dem Willkommensgruss an alle Teilnehmenden in Zürich-Albisrieden und in den per IPTV angeschlossenen Kirchgemeinden im gesamten Bezirksapostelbereich Schweiz nahm der Bezirksapostel Bezug auf das Chorlied…,
- Herr, mein Leben, es sei dein
- Herr, mein Leben, es sei dein, / lass es dir geheiligt sein! / Nimm dir hin, Herr, meine Zeit, / dir sei gerne sie geweiht! / Nimm die Augen, dass sie klar / sehn, was sein wird, ist und war. / Nimm die Ohren, dass sie fein / hören auf dein Wort allein!
- Nimm die Hände, dass sie sich / regen stets in Lieb für dich! / Nimm die Füsse, dass sie schön / auf dem schmalen Wege gehn! / Nimm die Stimme hin sofort, / dir tön sie, du Seelenhort! / Nimm die Zunge, lenke sie / dir zur Ehre spät und früh!
… um seinen Dank für die Liebesarbeit der Geistlichen auszudrücken:
- für die Zeit, die für die Seelsorge, für die Vorbereitung von Gottesdiensten, für irgendwelche Aufgaben aufgebracht wurde;
- für die Augen und Ohren, ihr habt gesehen oder gehört, wo jemand Hilfe brauchte, bevor er darum gebeten hat;
- für die Hände und Füsse, ihr habt Hände zum Gebet gefaltet und Wege zu den Geschwistern unter die Füsse genommen;
- für die Stimme und die Zunge, mit eurer Stimme habt ihr gestärkt, getröstet, Gottes Wort verkündigt, Segen gespendet.
Sein Leben dem Herrn zu weihen ist Hingabe und kein Pflichtdienst. Am Schluss des Liedes heisst es: «Nimm, Herr, was ich bringen kann, wohlgefällig gnädig an.» Es heisst nicht: was ich bringen muss oder soll, sondern was ich bringen kann. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Gott erwartet nicht mehr, als uns möglich ist.
Der Bezirksapostel setzte die Schwerpunkte in seinem Dienen auf die Predigt und die Seelsorge. Dabei nahm er uns mit auf eine anspruchsvolle Wanderung in die Schweizer Berge. Die Karte ist gut, die Route eingezeichnet, jeder Wegpunkt stimmt. Wer sich daran hält, kommt ans Ziel. Und trotzdem sind viele von uns froh, wenn jemand dabei ist, der den Weg kennt: der Bergführer. Dieser sagt nicht nur: «Dort entlang.» Er geht vor mir. Er sieht, wenn mir die Luft ausgeht. Er bleibt stehen, wenn ich Angst bekomme. Manchmal nimmt er mich ans Seil. Die Karte ist gut. Aber die Karte geht nicht voraus und nimmt mich nicht ans Seil. Die Karte entspricht der Predigt, der Bergführer dem Seelsorger.
Welche Auswirkung hat die Predigt, was bringt sie?
Die Predigt ist ein Beziehungs-, Gemeinschafts- und Heilsgeschehen, das sich zwischen Gott, dem Prediger und den Hörenden entfaltet und vom Heiligen Geist gewirkt wird, sowohl in der Vorbereitung als auch während der Verkündigung selbst. Dabei wirken Gott, der Prediger mit seiner eigenen Persönlichkeit und die Gemeinde zusammen, und gerade darin wird die Predigt zum Heilsgeschehen. Die Vorbereitung braucht deshalb Zeit.
Wichtig ist wie Paulus sagte: «Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus.» (2 Kor 4,5)
Durch die Predigt des Evangeliums Jesu Christi wächst Glaube und Vertrauen. Jesus Christus wird dadurch dem Einsamen zum besten Freund, der Mutter am Krankenbett des Kindes der gute Hirte, dem verunsicherten jungen Menschen die Wahrheit und dem Familienvater, der sich ungeliebt fühlt, der, der bedingungslos liebt.
Für die Predigt gibt es keine Alternative. Die Predigt muss gehört und angenommen werden.
Um den Geschwistern das Annehmen der Predigt leichter zu machen, müssen wir als Prediger glaubwürdig sein. Das bedeutet einerseits, dass wir glauben, was wir predigen und andererseits, dass unser Leben mit dem übereinstimmt, was wir verkündigen. Das gilt besonders in Prüfungen und Bedrängnissen, die der Herr uns manchmal auferlegt. Auch dann soll unser Verhalten selbst eine wahre Predigt (stille Predigt) des Evangeliums sein. Und weil wir im Namen der Dreieinigkeit reden, achten wir sorgfältig auf den Inhalt unserer Worte.
Es kann sein, dass ein Bruder oder eine Schwester durch einen Satz in der Predigt verletzt wurde. Da kommt die Seelsorge zum Tragen. In der Seelsorge ist Jesus unser grosses Vorbild:
- Jesus und Zachäus: Jesus wollte ihn besuchen und mit ihm sprechen. Liebe und Interesse warten nicht, bis es an der eigenen Tür klingelt.
- Jesus und die Emmaus Jünger: Sie fühlten sich verstanden und kehrten um. Aus dieser Begebenheit lernen wir, dass Empathie und Zuhören äusserst wichtig sind.
- Jesus und die Samariterin am Brunnen: Echtheit und Wahrhaftigkeit sind auch hier die Pfeiler für eine authentische Seelsorge.
Fazit: es braucht Predigt und Seelsorge.
Warum kommt Seelsorge manchmal zu kurz? Es gibt viele äussere Gründe: Zeit, Prioritäten usw. Der tiefere Grund ist die Angst: Was erwartet mich bei diesem Besuch? Was soll ich sagen?
Unsere Entlastung: Wir müssen nicht heilen, wir müssen nicht lösen, wir müssen nicht entscheiden.
Wir hören zu und wenn es passt, teilen wir eine Erfahrung. Und wir tun es deshalb, weil wir (hoffentlich) wie Paulus fühlen: «Wir haben euch lieb gewonnen.»
Durch die Seelsorge geschieht Wachstum im Glauben bei den Geschwistern und auch bei uns. Der Bezirksapostel wünscht uns allen die Lust zur Seelsorge mit dem Titel des nächsten Chorliedes: «Habe deine Lust am Herrn».
Fotos: M. Briner - NAK Schweiz