«Wer da will, der komme» – eine Einladung, die Hoffnung schenkt

05.07.2026

Gnade, Erlösung und eine Einladung, die bis in die Ewigkeit reicht: Bezirksapostel Thomas Deubel feierte gemeinsam mit Apostel Matthias Pfützner in der Gemeinde Wil den Gottesdienst für Verstorbene. Bewegender Höhepunkt bildete die Spendung aller drei Sakramente an die Seelen im Jenseits.

Eine Einladung ist etwas Schönes. Man klingelt an der Tür, sie öffnet sich, ein freundliches Lächeln empfängt einen – und sofort weiss man: Hier bin ich willkommen.

Mit diesem Gedanken begann der Gottesdienst. Das Eingangslied «Wer da will, der komme» ist weit mehr als bloss schöner Liedtext. Es ist eine Einladung Gottes – auch an die Seelen im Jenseits. Eine Einladung voller Hoffnung, Gnade und Erlösung.


Verloren und in tiefer Not

Im Mittelpunkt der Predigt stand das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er hatte sein Erbe verschwendet und war tief gefallen. Als Schweinehirt – für einen Juden damals kaum vorstellbar – kämpfte er ums nackte Überleben. Er wollte nicht mehr geniessen, sondern lediglich seinen Hunger stillen. Tiefer konnte seine Not kaum sein.

Solche ausweglosen Situationen kennt die Bibel auch an anderen Stellen. Das Volk Israel stand vor dem Schilfmeer, hinter ihm rückte das ägyptische Heer näher. Menschlich gesehen gab es keinen Ausweg. Und doch lautete Gottes Auftrag an Mose: «Zieht weiter!» Da brauchte es Glauben und Vertrauen – und Gott schenkte das Wunder.

Auch der Prophet Elia erlebte schwere Zeiten. Mitten in einer Hungersnot sorgte Gott dafür, dass Raben ihn am Bach Krit mit Nahrung versorgten. Immer wieder zeigt die Heilige Schrift: Wo Menschen an ihre Grenzen kommen, eröffnet Gott neue Perspektiven.

Genau dort setzt auch Jesus an. Er sieht nicht nur die äussere Not, sondern vor allem das Heil der Seele. Deshalb lautete sein Auftrag: «Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes.» Alles andere ordnet sich diesem Ziel unter.

 

Ohne Gnade ist alles nichts

Der Bezirksapostel erinnerte an ein bekanntes Wort von Stammapostel Fehr:
«Gnade ist alles – ohne Gnade ist alles nichts.»

Besonders eindrücklich wurde dies am verlorenen Sohn sichtbar. Als er den Heimweg antrat, hoffte er höchstens darauf, als Tagelöhner aufgenommen zu werden. Dass sein Vater ihn wieder als Sohn annehmen würde, wagte er nicht zu erwarten.

Im damaligen kulturellen Umfeld hatte der Sohn durch sein Verhalten Schande über seine Familie gebracht. Rückkehrende wie er mussten damit rechnen, von Dorfbewohnern öffentlich gedemütigt oder sogar mit Steinen beworfen zu werden. Deshalb lief der Vater seinem Sohn entgegen. Noch bevor andere ihn erreichen konnten, nahm er ihn in die Arme. Er schützte ihn, schenkte ihm neue Kleidung, bereitete ein Fest und gab ihm seinen Platz am Familientisch zurück. Das ist Gnade!


Erlösung zum Heil

Doch dabei blieb es nicht. Der Sohn musste anschliessend nicht wieder als Schweinehirt leben. Sein Leben erhielt eine neue Richtung. Das ist Erlösung.

Auch Jesus handelte so: Er vergab der Sünderin, verband seine Vergebung aber mit dem klaren Auftrag: «Gehe hin und sündige fortan nicht mehr.» Gnade ist kein Freipass für Gleichgültigkeit.

Für die Seelen im Jenseits bedeutet Erlösung ebenfalls einen Standortwechsel. Die Heilige Schrift kennt zwei Arten zu sterben: in den Sünden oder im Herrn. Gnade und Erlösung bedeuten, dass Gott Verlorene zu seinen Söhnen und Töchtern macht – durch das Heil, das allein von ihm kommt.

Jeder Mensch ist auf Gottes Gnade angewiesen, denn selbst die kleinste Sünde trennt von ihm.

Den bewegenden Höhepunkt des Gottesdienstes bildete die Spendung aller drei Sakramente – der Heiligen Wassertaufe, der Heiligen Versiegelung und des Heiligen Abendmahls – an die Seelen im Jenseits. Ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass Gottes Einladung gilt: «Wer da will, der komme.»