Als Grundlage diente das Bibelwort aus Galater 6, Vers 2: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Bischof Weidmann nahm Bezug auf das vorgetragene Lied des Gemeindechors: „Du hast uns als Gemeinde in deinen Dienst gestellt“. Im Refrain heisst es: „Gemeinsam stehen wir vor dir, unserm Herrn. Wir loben und preisen dich.“
Gemeinsam Gott zu erleben ist etwas Wunderschönes. „Sein Licht soll hell erstrahlen ins Innerste hinein“, heisst es in einer Strophe. Bischof Weidmann wünscht der Gemeinde, dass dieses Licht gemeinsam erlebt werden kann. Es schenkt uns Orientierung, Wärme und Hoffnung. Wie dankbar dürfen wir sein, dass wir es erkennen und annehmen dürfen. Das ist gar nicht selbstverständlich. In einer Welt voller Lichter ist es manchmal schwierig, das wahre Licht zu erkennen. Oft zieht uns das stärkste, wärmste oder auffälligste Licht an – oder jenes, für das unser Herz offen ist.
Prüfen wir uns selbst: Erkenne ich das wahre Licht Gottes? Suche ich es bewusst, trotz all der anderen Lichter um mich herum? Nicht alle sind schlecht, doch welche Priorität gebe ich ihnen?
Es ist wichtig, Gottes Wirken zu erkennen und ihm Raum zu geben. Im Trubel des Alltags kann vieles schön und bereichernd sein. Es ist entscheidend, Gott einen festen Platz in unserem Leben zu geben – nicht nur zufällig, sondern als bewussten Beginn und Abschluss eines Tages, durch Gebet und Vertrauen.
Paulus hat dieses Bibelwort sehr schön geschrieben: „Einer trage des andern Last.“ Diese Worte drücken Leidenschaft und tiefe Emotionen aus. Es ist kein oberflächlicher Glaube, sondern ein Glaube, der spürbar ist – mit Freude und Sehnsucht, Gott zu erleben. Doch manchmal entwickeln sich Dinge in eine Richtung, die uns von Gott entfernen. In solchen Momenten ist es wichtig, Gott zu bitten, uns wieder näher zu ihm zu führen, um die Leidenschaft und die emotionale Nähe zu ihm zu spüren. Der Glaube sollte immer in eine Richtung führen: Näher zu Gott. Wie schön ist es, wenn wir diesen Weg gemeinsam mit Gott gehen, indem wir auf Jesus und das Evangelium schauen. Das kann Veränderung zum Guten bringen.
Wir haben die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes erhalten. Ein Teil Gottes ist immer bei uns. Der Heilige Geist kann uns Impulse schenken, im Alltag und überall, wo wir sind. Diese Gabe ist eine wertvolle Hilfe und es lohnt sich, jeden Tag zu reflektieren: Wie sehr habe ich dem Heiligen Geist Raum gegeben? Erlaube ich ihm, in meinem Leben zu wirken? Nur dann ist eine echte Entwicklung möglich, wenn wir uns bewusst mit ihm beschäftigen.
Einer trage des anderen Last…
Das Gemeinsame steht hier wieder im Vordergrund. Es ist schön, wenn wir in der Fürbitte füreinander einstehen und gemeinsam die Lasten tragen. Unterschätzen wir nicht die Kraft des Gebets.
Jesus hat für uns alle das grösste Geschenk gemacht. Er hat die Sünde, diese grosse Last, auf sich genommen. Und immer wieder dürfen wir den Moment der Sündenvergebung erleben. Durch dieses Geschenk schenkt er uns Mut, Kraft und Zuversicht. In seiner grossen Liebe hat er das für uns getan – ein Vorbild für uns, füreinander da zu sein.
Lasten, die wir schon lange herumtragen
Manche Lasten tragen wir so lange mit uns, dass sie zur Belastung werden und Zweifel aufkommen. Wir wissen vielleicht die Lösung, doch nichts verändert sich. Wir kennen das: In der Länge liegt die Last. Bringen wir unser Anliegen vertrauensvoll im Gebet vor Gott, ohne die Lösung vorzugeben. Überlassen wir es unserem himmlischen Vater, wie er es löst. Er sieht weiter, er kennt die Zukunft und will unser Heil. Sein Wunsch ist, dass wir bei der Wiederkunft Jesu dabei sind. Und immer wieder schenkt er uns Zeichen und Wunder als Bestätigung seiner Liebe.
Erhöhen wir nicht die Last des Nächsten
Das mag seltsam klingen. Es gibt Menschen, denen es wirklich nicht gut geht. Wir dürfen dankbar sein, wenn es uns gut geht, doch sollten wir dies nicht übermässig zur Schau stellen. Das könnte für den Nächsten eine zusätzliche Belastung sein, wenn er sieht, dass bei uns alles gut ist, während er selbst leidet.
Das bedeutet nicht, dass wir Freude und Glück verstecken müssen oder nicht geniessen dürfen. Aber es braucht Empathie – ein sensibles Gespür für den anderen. Wenn sich ein Mitbruder oder eine Mitschwester öffnet und uns anvertraut, sollten wir zuhören, anstatt nur von unserem eigenen Glück zu sprechen. Es geht darum, den Weg miteinander zu gehen, füreinander da zu sein, anstatt eine Last zu verstärken.
Die Last der Unvollkommenheit
Unsere eigene Unvollkommenheit und Sünde sind eine Belastung. Doch in der Sündenvergebung dürfen wir immer wieder Entlastung erleben. Aber sind wir auch bereit, dem Nächsten zu vergeben? Unser Mitbruder und unsere Mitschwester haben vielleicht Dinge gemacht, die wir nicht gutheissen können.
Im Wissen um unsere eigene Unvollkommenheit sollten wir auch anderen gegenüber vergebungsbereit sein. Diese Bereitschaft ist entscheidend für die Sündenvergebung im Hinblick auf das Heilige Abendmahl. Vergebung braucht manchmal Zeit, doch schon die Breitschaft, es zu versuchen, ist der erste Schritt.
Manchmal empfinden wir die Gebote Gottes als eine Last.
Warum? Weil sie unerreichbar scheinen. Wir wissen, dass wir Jesus immer ähnlicher werden sollen, scheitern aber oft an unseren eigenen Grenzen. Wir erkennen, dass unser Verhalten nicht übereinstimmt mit dem, was Jesus gemacht hat, obwohl wir es so sehr versuchen.
Jesus selbst gibt uns Trost in Matthäus 11,30: „Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“. Ein Joch ist für zwei gedacht – ein schönes Bild. Gott lässt uns nicht allein mit unseren Herausforderungen. Er hilft uns die Last zu tragen. Manchmal erkennen wir seine Hilfe erst nach langer Zeit, doch er war immer da, um uns zu stärken und zu führen, damit wir das Gesetz Christi erfüllen können.