Dieser warmherzige Ort der Begegnung ist deshalb so besonders, weil uns alle trotz unterschiedlichster Lebenssituationen das eine Band der Liebe verbindet – die Liebe und das Vertrauen zu unserem himmlischen Vater, zu Jesus Christus. Ein Blick in die Augen, eine Umarmung oder ein mitfühlender Händedruck reichen oft schon aus, um die Liebe Gottes zu sehen, zu fühlen und zu teilen.
Bereits beim Eingang wurden die Gäste mit vielen Fotos empfangen, vom Organisationskomitee liebevoll ausgewählt und aufgehängt. «Gott liebt dich» stand auf einem der Plakate. Die vielen Helferinnen und Helfer verwöhnten die Gäste bereits bei der Ankunft mit Kaffee und Zopf. Für viele Familien war schon der Zeitplan eine Wohltat. Entspannt konnten alle um 10 Uhr anreisen, die Geschwister begrüssen und uns auf den Gottesdienst um 11 Uhr vorbereiten.
Apostel Christophe Domenig aus der Westschweiz brachte ein Bibelwort aus der Bergpredigt mit, Matthäus 7, 24 und 25: «Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stiessen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.»
Sein Dienen begann der Apostel mit den kraftvollen Worten: «Gott will heute zu dir kommen und Dir etwas geben». Er zeigte auf, wie wichtig es ist, seinen Glauben auf ein solides Fundament, auf Fels und nicht auf Sand, zu bauen. Jesus ist der Fels. Er gibt uns Sicherheit. Das Evangelium bewahrt uns im übertragenen Sinn vor Sturm und Hagel, Regen und Erdrutsch. Neben dem Fundament ist auch die Bauweise wichtig, um im Sturm bestehen zu können. Es ist ein Unterschied, ob ein Haus aus Stroh oder aus Backsteinen gebaut ist. Backsteine werden mit Mörtel gesichert. Der Mörtel steht für die Liebe. Gottes Liebe verbindet die «Bauelemente» und hält alles zusammen.
Vor allem in den Bergen kommt es vor, dass eine grosse Schneelast auf den Dächern liegt. Diese kann für das Haus und die Personen, die sich rund um das Haus befinden, gefährlich werden. Unser Herz muss sich manchmal auch von einer Last befreien. Jede Seele hat die Möglichkeit, sich im Gottesdienst von der Last befreien und reinigen zu lassen. Damit wir die nötige Kraft dafür haben, müssen wir immer wieder neu die Versöhnung suchen. Dort wo wir noch mit jemandem im Streit sind, fehlt oft die Kraft, weiterzubauen. Jesus ging gerne nach Bethanien. Dort erlebte er einen besonderen Frieden. So wie Fachexperten für die Bauweise des äusseren Tempels (z.B. der Kirche Bülach) verantwortlich sind, sind wir auch für unseren inneren Tempel verantwortlich. Ist das Gebäude noch stabil? Hat es Risse?
Vor dem Altar stand eine Mauer aus riesigen, bunten Legosteinen. Auch ein Legohaus braucht ein solides Fundament. Es steht auf einem Brett, damit es nicht zusammenfällt. Der Apostel mahnte die Gemeinde: So wie jeder Legostein wichtig ist, ist auch für die Gemeinde Jede und Jeder wichtig und wertvoll.
Als Bischof André Weidmann zum Mitdienen gerufen wurde, las eine junge Schwester eine Geschichte vor, während weitere Mitglieder aus der Gemeinde grosse Legobausteine nach vorne brachten. Somit entstand eine noch grössere, farbenfrohe Mauer vor dem Altar. Begleitet wurde dieser Beitrag von sanftem, feinem Glockenklang. Der Bischof war sichtlich gerührt. Er begann sein Dienen mit der Aussage, wie berührend dieser kurze Augenblick der Nähe für ihn war. So wie ein Schulbus die Kinder abholt, holt auch Gott uns dort ab, wo wir gerade sind. Wir müssen aber in den Bus einsteigen. Gott möchte Zeit mit uns verbringen. Er ist immer für uns da und liebt uns. Manchmal bitten wir Gott, er möge eine gewisse Situation wenden. Das funktioniert nicht immer. Vielleicht sind unsere Erwartungen zu hoch? Für Gott zählen nicht primär die irdischen Dinge, sondern unsere Seele. Ohne Wasser können wir nicht bauen. Jesus will unsere Seele «bewässern» und reinigen von der Sünde. Lassen wir uns befreien, so kann Gott uns segnen.
Nach der geistigen Nahrung standen die vielen Helferinnen und Helfer der Gemeinde Bülach und der Jugend am Buffet bereit und verköstigten die rund 120 Anwesenden mit bunten Salaten, einem köstlichen Kartoffelgratin, Schinken und Fleischkäse.
Nach dem Essen fand im Kirchensaal ein interessanter Vortrag von Dr. med. Daniel Brenner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Bezirksevangelist i.R., zum Thema «Resilienz» statt. Er baute eine Brücke zwischen seiner wissenschaftlichen Arbeit und dem christlichen Glauben. Das Gelassenheitsgebet nach Reinhold Niebuhr fasst das Thema wunderschön zusammen: «Gott, schenke mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, zwischen beiden Situationen zu unterscheiden.» Gerade für Betreuungspersonen von Menschen mit Beeinträchtigungen war der Hinweis zur Selbstfürsorge sehr wertvoll: «Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.» (aus «Schalen der Liebe» von Bernhard de Clairvaux).
Erfüllt und reich beschenkt verabschiedeten wir uns voneinander und freuen uns schon heute auf das Wiedersehen.
8. Juni 2026 / Andrea Vetsch