Einleitend hiess der Apostel alle Geschwister und Gäste der grossen sichtbaren und unsichtbaren Gemeinde willkommen. Er vertiefte den Text des Chorliedes «Leite mich, führ mich in Gerechtigkeit», worin es heisst: «Zeige mir deinen guten Weg.» Gott allein schafft wahre Gerechtigkeit, die Bestand hat. Der im Evangelium gelegte Weg wird als schmal, steil und dornenvoll beschrieben. Dies klingt nicht sonderlich attraktiv und wirkt für viele einengend. Genau betrachtet ist es aber das Gegenteil: ein einmaliger, grosser Weg voller Schönheiten, befreiend und zielführend. Und offen für alle Menschen, die Gottes Heil in Christus suchen. Auf diesem Weg gibt es für die Seele stärkende Ruheplätze mit grossartiger Aussicht aufs Ziel. Der Gottesdienst ist für uns so ein Ruheplatz. Auch liebevolle Gefährten gehen mit uns diesen Weg, wir sind nicht allein und die Gemeinschaft der Gemeinde trägt. «Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.» (1. Korinther 12,31). So formulierte es Paulus in Respekt gegenüber den Glaubensüberzeugungen anderer Menschen. Er wertete andere Wege nicht als schlecht ab, sondern verkündigte mit dem noch «besseren» Weg das Heil in Jesus Christus.
Das Bibelwort stammt aus dem Lobgesang Marias, der Mutter Jesu, als sie für mehrere Monate Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer, besuchte. Wir können in diesen Lobgesang einstimmen. Gott hat an Maria Grosses getan, aber auch an uns. Wirklich gross ist all das, was von Gott kommt, Bestand hat und für unser Seelenheil relevant ist. Je näher wir Gott kommen, desto grösser wird er für uns. Von Ferne sieht oft alles klein und diffus aus. Je näher wir aber Gott kommen, desto klarer und grösser wird er für uns. So lesen wir im Buch Hiob eine spannende Erkenntnis «Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.» (Hiob 42,5). Was für ein Unterschied. Gott offenbart sich uns in der natürlichen und in der geistigen Schöpfung. Je näher wir der Gemeinde sind, desto wertvoller wird auch sie für uns. Nähern wir uns immer wieder Gott und lassen wir uns von ihm berühren. «Nimm mich bei der Hand, führe du mich heim.» Gott hat grosse Werke an uns getan. Denken wir nur an die Sendung Jesu und die Spendung der Sakramente, so wie wir es in diesem Gottesdienst in der Heiligen Versiegelung eines Kindes und in der gemeinsamen Feier des Heiligen Abendmahles erfahren. Gott, der da mächtig ist, kennt uns und weiss, was wir bedürfen. Wir kommen in den Genuss seiner Macht, wie es in Epheser 6,10 heisst: «Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.» So beten wir die Macht der Liebe an (GB Nr. 221) und erkennen auch die Heiligkeit Gottes. «Dein Name werde geheiligt.» So sagte es sinngemäss Maria und wir beten es im Vaterunser. Gott allein ist heilig! Und damit sein Werk, seine frohe Botschaft, sein geweihtes Haus mit dem Altar, die Gemeinschaft der Heiligen, aber nicht die einzelnen Menschen. Was einem heilig ist, ehrt, pflegt und beschützt man. Wie oft sagen wir: „Das ist mir heilig, das lasse ich mir nicht nehmen!“ Schön, wenn das auch für unseren Glauben und unser Glaubensbekenntnis gilt. Wir lassen uns auch die Verheissung der Wiederkunft Jesu nicht nehmen und tragen sie tief im Herzen. Bis diese Botschaft sich erfüllt, werden wir Grosses, Machtvolles und Heiliges von Gott erleben dürfen.
Es folgen die Predigtzugaben eines Priesters und eines Hirten sowie von Bischof Ruedi Fässler. Nach dem gemeinsamen Unser Vater, der Freisprache und dem Opfergebet empfängt ein Kleinkind das Sakrament der Heiligen Versiegelung und es folgt die Feier des Heiligen Abendmahls. Danach wird der Priester nach 46 Amtsjahren und der Hirte nach 43 Amtsjahren in den Ruhestand versetzt und ein anderer Priester als neuer Stellvertreter des Gemeindevorstehers ernannt.
Wir erlebten einmal mehr Grosses von dem, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.