Zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 wurden die Geschwister und die Geistlichen in zwei Umfragen eingeladen, sich zur Einführung von Mundartgottesdiensten in der Deutschschweiz zu äussern. Die beiden Fragebögen unterschieden sich bis auf zwei Fragen. In beiden Umfragen wurde die Frage gestellt «Wie beurteilst du ganz allgemein die neue Möglichkeit, dass Gottesdienste in der Deutschschweiz auch in Mundart gehalten werden können?». Mögliche Antworten: 1 (Unnötig) bis 5 (Ich bin begeistert). Ebenfalls wurde die gleiche (offene) Abschlussfrage gestellt: «Was möchtest du uns noch mit auf den Weg geben?».
Bei der Umfrage für die Geistlichen zielten die Fragen auf die Nützlichkeit der zur Verfügung gestellten Unterlagen und Hilfestellungen sowie auf den Einfluss der Mundart auf das Dienen im Gottesdienst ab (Vorbereitung, Dienen an sich, Reaktionen der Geschwister). Die Umfrage für Geschwister unterteilte die Fragen in einen Teil für Geschwister, die bereits Mundartgottesdienste erlebt haben und einen Teil für Geschwister, die in ihrer Gemeinde noch keine Mundartgottesdienste erlebt haben. Die Fragen fokussierten darauf, wie die Geschwister Gottesdienste in Mundart erleben, was sie sich davon versprechen resp. welche Bedenken sie haben. Beide Umfragen erfragten den Bezirk, die Umfrage für die Geschwister zusätzlich das Alterssegment.
Statistischer Hinweis
Die Umfrage erbrachte 532 Antworten von Geschwistern und 122 Antworten von Geistlichen. Aufgrund der relativ geringen Rücklaufquote mit unausgewogener Altersverteilung und kleiner Fallzahlen pro Bezirk sind die Ergebnisse wenig repräsentativ und erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Gesamtheit. Die Rückmeldungen spiegeln lediglich die Sicht jener wider, die sich geäussert haben – darunter vermutlich viele mit entschiedener (positiver oder negativer) Meinung zum Thema.
Kernaussagen aus den Rückmeldungen
Positive Erfahrungen: Viele erleben Mundartgottesdienste als näher, persönlicher und authentischer. Kinder und Jugendliche folgen besser, das Wort wirke «direkt ins Herz».
Bedenken: Andere vermissen Würde und Tiefgang – manche Predigten wirkten in der Wortwahl teilweise salopp. Wiederkehrend ist die Sorge um Gottesdienstteilnehmende, die Mundart nicht verstehen.
Viele befürworten Mundart grundsätzlich, wünschen sich aber gepflegte Sprache, Ankündigungen im Programm und Rücksicht auf Nicht-Muttersprachler.
Was der Handlungshinweis für Geistliche vorsieht
Die Rückmeldungen bestätigen die Relevanz der vier Grundsätze, die im Handlungshinweis vorgegeben sind:
- Rücksicht auf Teilnehmende: Niemand soll über längere Zeit vom Miterleben der Gottesdienste ausgeschlossen sein.
- Anlass und Art des Gottesdienstes: Mundart eignet sich eher für Gemeindegottesdienste und biographisch geprägte Feiern als für grosse Festgottesdienste.
- Wahl der Sprache: Die dienenden Geistlichen entscheiden frei – beide Sprachformen sind unter der Berücksichtigung der geltenden Grundsätze jederzeit möglich.
- Eigenschaften der Sprachformen: Beide Sprachen haben ihre je eigene Wirkung; Mundart schafft Nähe, Standardsprache lässt das Transzendente erhabener erscheinen.
Die Kritikpunkte in den Rückmeldungen betreffen Punkte, die der Handlungshinweis ausdrücklich anspricht: Der sprachliche Aspekt erfordert einen sorgsamen Umgang und Wortwahl wie Sprachform müssen der Heiligkeit des Anlasses entsprechen, unabhängig von der gewählten Sprache.
Die Umfrage zeigt, dass der Handlungshinweis das Thema passend umfasst. Die Kirchenleitung sieht einen Schwerpunkt in der Umsetzung der bestehenden Grundsätze:
- Geistliche entscheiden frei, in welcher Sprache sie dienen – mit sorgfältigem Umgang und der Heiligkeit des Gottesdienstes Rechnung tragend
- Gemeindevorsteher verantworten lokale Lösungen, die von den Geschwistern mitgetragen werden
- Geschwister sind aufgefordert, bei Unbehagen konstruktives Feedback zu geben. Rückmeldungen – auch kritische – nutzen wir als Lernchance.
Fazit
Die Bandbreite der Rückmeldungen reicht von grosser Dankbarkeit bis zu ernsthaften Bedenken. Der gemeinsame Nenner:
- Die Heiligkeit des Gottesdienstes ist nicht verhandelbar – wir machen uns in Liebe darauf aufmerksam, wenn aufgrund der Sprache oder anderen Gründen die Heiligkeit des Gottesdienstes gefährdet scheint.
- Uns allen liegt daran, dass niemand ausgeschlossen wird – weder durch unverstandene Sprache noch durch mangelnde Rücksichtnahme.
- Entsprechend den lokal vorhandenen Bedürfnissen können auf Stufe Gemeinde Regelungen getroffen werden. Möglichkeit statt Pflicht als Grundhaltung.
Wir möchten dazu ermuntern, die Chance zu nutzen und im Austausch zu bleiben über den Gebrauch der Sprache in den Gottesdiensten. So gewinnen unsere Gottesdienste, unabhängig von der Wahl der Sprache.