Gemeinde-
und Bezirkssuche

Woche 27 / 2022

05.07.2022

Wieder einmal ist es schwierig, das Erlebte der vergangenen Tage zu beschreiben. Natürlich wusste ich, dass ein aussergewöhnliches Wochenende bevorstand, als ich mich am Donnerstagnachmittag mit Sack und Pack, besser gesagt mit Koffer und Handgepäck Richtung Flughafen Zürich aufmachte.

 
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Schon lange zuvor hatte ich mich auf das Kommende gefreut und innerlich vorbereitet. Nun war es soweit: Mit eineinhalbstündiger Verspätung hob das Flugzeug Richtung Frankfurt ab. Zum Glück war die Umsteigezeit gut berechnet. Der Stammapostel und ich flogen von dort weiter Richtung Osten. Der Flug von knapp sieben Stunden nach Addis Abeba bescherte nur eine kurze Nachtruhe. Nach gut vier Stunden Aufenthalt ging es um 09.45 Uhr weiter nach Goma im Südosten der Demokratischen Republik Kongo. Diese Grossstadt auf fast 1500 m ü. M. mit zwei Millionen Einwohnern liegt zwischen dem sehr aktiven Vulkan Nyiragongo im Norden und den Ufern des Kivusees im Süden. «Karibu» (willkommen in Suaheli): so werden wir vom zuständigen Bezirksapostel Tshitshi Tshisekedi empfangen. Umgehend geht es unter Polizeischutz zum Hotel. Diese Begleitung werden wir in den kommenden Tagen immer wieder haben.


In der jüngeren Vergangenheit ist das benachbarte Ruanda und die Gegend von Goma wiederholt von Krieg und Völkermord mit unvorstellbaren Gräueltaten und von wiederkehrenden Vulkanausbrüchen – zuletzt am 23. Mai 2021 – heimgesucht worden. Nun soll an diesem Wochenende also hier in Goma der Gottesdienst für die Entschlafenen mit allen sakramentalen Handlungen für die Seelen in der jenseitigen Welt stattfinden.      


Mit einem berührenden und zu Herzen gehenden Konzert am Freitagabend stimmen wir uns in das bevorstehende Erleben ein. Die Empfindungen beim Anhören des Chores und des Kinderchores erzeugen Glückseligkeit.


Früh am Samstagmorgen brechen wir auf, um nach einer zweistündigen Fahrt auf einer staubigen und mit Schlaglöchern übersäten Naturstrasse total durchgeschüttelt in Bihambwe in Bezirk Masisi einzutreffen. Weil die Sicherheitslage es nicht erlaubte, konnte die Gegend längere Zeit nicht aufgesucht werden. In der Regenzeit gibt es hier wegen dem Morast und den hochgehenden Flüssen fast kein Durchkommen. Die bergige Gegend mit weidenden Kühen erinnert an meine heimatliche Alpenwelt. Rund 2600 Geschwister haben sich eingefunden, um den Gottesdienst mit dem Stammapostel zu erleben. Ältere Geschwister, Mütter und Kinder sind auf offenen Lastwagen stehend angereist, alle anderen sind zu Fuss hergekommen. Unsere Geschwister sind in ihrem natürlichen Leben zumeist einfache Bauern. Die sonst dort weidenden Kühe mussten vorübergehend den Platz freigeben, damit wir unter freiem Himmel Gott im Wirken seines Geistes erleben konnten. Ein Chor und ein Kinderchor trugen mit ihren wunderschön vorgetragenen Liedern zum Erleben bei. Das Austeilen des Heiligen Abendmahles war eine echte Herausforderung. Die Abendmahlskelche mussten wegen dem starken Wind fast ganz zugedeckt bleiben, damit die Hostien nicht über das ganze Gelände verstreut wurden. Der Heiligkeit tat das allerdings keinen Abbruch. Nach dem Gottesdienst verabschiedeten wir uns mit einem Gang durch die Reihen der Geschwister. Sie haben eine besondere Gabe, ihre Freude zum Ausdruck zu bringen und damit alle anzustecken.  


Im Kreis der Apostel in der Gebietskirche Congo Sud-Est gibt es einen grossen Generationenwechsel: Zwölf Apostel werden am Sonntag in den Ruhestand gesetzt und elf ordiniert. Aus diesem Grund findet nach der Rückkehr am frühen Samstagabend eine Apostelversammlung statt. Der Stammapostel hat damals als Bezirksapostel eng mit den zur Ruhe gehenden Aposteln zusammengearbeitet und kennt sie dadurch sehr gut. Sichtlich bewegt findet er besondere Worte für diese Brüder, die unter teils sehr schwierigen Verhältnissen als Botschafter Jesu gewirkt und auch in lebensgefährlichen Situationen nicht gezögert haben, das Evangelium und das Heil weiterzutragen. Die Herausforderungen, Gefahren und Aufgaben eines Apostels erklärt der Stammapostel den neu zu ordinierenden ausführlich und schliesslich legen sie das Gelübde ab. Nun ist alles bereit für das grosse Fest des kommenden Sonntags.


Jetzt ist es da: das grosse Fest der Barmherzigkeit und der Freude für die Heilsverlangenden in der jenseitigen Welt. Der Sieg Jesu über das Böse kommt auch ihnen zugut. Über 7'600 Geschwister haben sich in und um unsere Kirche Ndosho in Goma versammelt. Der Weg in die Kirche führt durch die singenden und Liedblätter schwenkenden Geschwister – Lebensfreude trotz schwierigsten Verhältnissen. Ein Kinderchor begrüsst uns noch vor dem Betreten des Gebäudes. Dabei schwenken die Kinder Fähnchen der Länder, aus denen die Eingeladenen kommen (Frankreich für den Stammapostel, Indien für Bezirksapostelhelfer David Devaraj, Angola für Bezirksapostelhelfer João Misselo sowie Schweiz für mich und natürlich die Demokratische Republik Congo als Gastgeber).


Der Gottesdienst wird landesweit auf dem nationalen Fernsehsender und via Internetfernsehen übertragen.


Es ist ein grandioses Erleben. Ich nehme eine mächtige Bewegung wahr, die wirklich kaum ausgedrückt werden kann. Bitte entschuldigt, wenn ich etwas ins Schwärmen komme, aber dieses überwältigt sein wirkt immer noch nach. Eine tiefe Heiligkeit beim Heiligen Abendmahl und der Spendung der Sakramente für die Entschlafenen umfängt uns. Mit wahrlich tiefgehenden Worten werden die zwölf Apostel vom Stammapostel zur Ruhe gesetzt und ganz persönlich verdankt. Und ich weiss nicht, ob schon einmal gleichzeitig elf Apostel im selben Gottesdienst ordiniert worden sind. Es sind erhebende Momente.


Nach dem Schlusslied beginnt die Luft zu vibrieren. Die Posaunen stimmen zu einem Lied an, das in der nächsten Viertelstunde alle Anwesenden mitreisst. Alle singen mit und bewegen sich zu den Klängen. So getragen bahnen wir uns den Weg durch die Menge zum Auto. Eigentlich sollte es nicht aufhören, so schön ist es. Noch den ganzen Sonntag klingt das Erlebte in der Seele nach.


Montag ist Reisetag. Kurz nach Mittag brechen wir auf und bahnen uns den Weg durchs Chaos von Goma. Trotz Stau und kaum Vorwärtskommen gelangen wir rechtzeitig an den Flughafen. Der Flug geht nach Addis Abeba, wo sich die Wege trennen. Der Stammapostel zusammen mit Bezirksapostel Tshisekedi und Bezirksapostelhelfer Devaraj übernachten, um am nächsten Tag nach Kinshasa weiterzureisen. Dort warten auf den Stammapostel erneut grosse Gottesdienste im anderen Teil des Kongo. Bezirksapostelhelfer Misselo fliegt über Johannesburg nach Luanda in Angola und ich werde mich gegen Mitternacht auf den Weg nach Frankfurt und Zürich machen. Es gibt noch eine Überraschung: Unerwartet begegne ich Bezirksapostelhelfer Arnold Mhango (Malawi) und seiner Gattin, die mit mir im gleichen Flieger nach Frankfurt reisen, um auf Einladung von Bezirksapostel Ehrich am Jugendtag von Süddeutschland teilzunehmen.


Voller Eindrücke versuche ich das Erlebte zu verarbeiten, bevor es mit neuem Erleben weitergeht.